Thrombozyten in der Schwangerschaft

Ursachen zu niedriger oder erhöhter Werte von Thrombozyten in der Schwangerschaft

Blutplättchen sind die kleinsten Zellen im Blut. Sie dienen der Blutgerinnung. Die Anzahl der Thrombozyten in der Schwangerschaft sinkt bei einigen Frauen. In wenigen Fällen ist eine Erhöhung der Blutplättchen-Konzentration möglich. In der Regel birgt das keinerlei Gefahr für die Schwangere und ihr Baby.

Schwangere Frau beim Arzt

Untersuchungen während der Schwangerschaft © Halfpoint – Fotolia.com

Normalerweise befinden sich 150.000 bis 400.000 Blutplättchen pro Mikroliter im Blut. Die Werte unterscheiden sich bedingt durch verschiedene Ursachen. Die Schwangerschaft selbst ist ein Grund dafür, dass die Messungen die normale Anzahl nach oben oder unten überschreiten.

 

Entstehung und Funktion der Blutplättchen

Die wichtigste Funktion dieser Zellen ist die Blutgerinnung. Verletzungen an den Blutgefäßen bewirken eine Aktivität der Thrombozyten. Diese lagern sich an den Wänden der Gefäße aneinander und stoppen die Blutung. Sie setzen diverse Gerinnungsfaktoren frei.

Sind Blutplättchen aktiv, bildet sich bei offenen Verletzungen der bekannte Wundschorf. Bei gesunden Menschen geschieht das in circa sechs Minuten. Das Knochenmark bildet unentwegt neue Thrombozyten. Die Lebensdauer umfasst circa acht bis zwölf Tage, bevor Milz, Lunge und Leber diese abbauen.

Die normale Anzahl von Thrombozyten im Blut

Normalerweise befinden sich 150.000 und 400.000 Blutplättchen pro Mikroliter im Blut. Die Anzahl der Thrombozyten in der Schwangerschaft ist bei den meisten Frauen normal. Bei sechs bis fünfzehn Prozent der Schwangeren sind es etwas weniger.

Unter dem Link http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19935037 finden Interessierte Informationen zu den Normwerten. Der dortige Artikel „Pregnancy and laboratory studies: a reference table for clinicians von Mina Abbassi-Ghanavati, Leslie Greer und Gary Cunningham (Obstet Gynecol. 2009 Dec;114(6):1326-31. doi: 10.1097/AOG.0b013e3181c2bde8, Erratum in Obstet Gynecol. 2010 Feb;115(2 Pt 1):387)] umfasst die Auswertung von Studien zum Referenzwert der Thrombozyten in der Schwangerschaft. Die Untersuchenden kommen zu dem Schluss, dass die Gravidität selbst, die Blutplättchen-Anzahl stark beeinflusst.

Schwangerschafts-assoziierte Thrombozytopenie als Ursache für eine geringe Anzahl von Thrombozyten

Doktor Birgit Kaliner, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe mit Schwerpunkt Naturheilverfahren und Akupunktur in Hamburg, klärt über dieses Phänomen auf: Ist die Anzahl der Thrombozyten in der Schwangerschaft geringer als normal, deutet das auf eine schwangerschafts-assoziierte Thrombozytopenie, auch Gestations-Thrombozytopenie genannt. Voraussetzung für diese Diagnose ist, dass keine andere Ursache für die Erkrankung vorliegt. Hat die Frau weniger als 150.000 Thrombozyten pro Mikroliter im Blut, ist der Grenzwert unterschritten.

Bisher keine ausreichenden Studien zu dem Phänomen

Für gewöhnlich tritt die sogenannte Gestations-Thrombozytopenie erst im dritten Teil der Gravidität auf. Nach der Geburt normalisiert sich die Thrombozyten-Anzahl. Doktor Kaliner sieht einen direkten Zusammenhang der geringeren Menge an Thrombozyten mit der Schwangerschaft. Genaue Aussagen von Fachärzten darüber, warum das passiert, gibt es bislang nicht. Umfassende Fallstudien stehen weiterhin aus.

Ursachen für geringere Anzahl an Blutplättchen in der Schwangerschaft

Der Körper zerstört naturgemäß Thrombozyten, nachdem er sie nicht mehr braucht. Danach ersetzt er sie durch neue Blutplättchen. Während der Schwangerschaft beschleunigt sich dieser Prozess. Dadurch ist die Anzahl der Thrombozyten in der Schwangerschaft zwar geringer, jedoch sind die Blutplättchen im Blut jünger und wesentlich größer.

Ein weiterer Grund für eine geringere Anzahl an Thrombozyten in der Schwangerschaft sieht Doktor Kaliner darin, dass der Körper in dieser Zeit mehr Blutplasma produziert. Im Blut sind dann weniger Blutplättchen pro Milliliter vorhanden als bei Nichtschwangeren. Die verminderte Anzahl an Blutplättchen hat keinen Einfluss auf deren Leistungsfähigkeit. Sie übernehmen ihre Aufgabe wie bisher.

Bluttest gibt Aufschluss über die Thrombozyten-Zusammensetzung

Während der Schwangerschaft gehören regelmäßige Blut-Untersuchungen zur Routine. Dabei zählt der Arzt auch die Blutplättchen. Dies erfolgt in einer Zählkammer (Hämozytometer) mittels eines lichtmikroskopischen Verfahrens. Das Gerät entsteht durch zwei parallel angeordnete Glasplättchen, die in geringem Abstand übereinander liegen. Auf der Grundplatte befinden sich Strichmarkierungen. Sie schaffen Zwischenräume mit definierten Volumina. Der Arzt bringt darin eine Teilchen-Suspension ein. Aus der mikroskopischen Zählung und dem Kammervolumen ergibt sich die Zahl der Thrombozyten im Blut pro Mikroliter.

Wichtig ist, dass werdende Mütter die Ergebnisse der Bluttests im Mutterpass notieren, um die Entwicklung der Thrombozyten-Anzahl nachzuvollziehen, so Doktor Kaliner. Ergab der Bluttest, dass die Menge der Blutplättchen zu gering ist, wiederholt der Arzt den Test, um sicherzugehen, dass der Wert nicht weiter sinkt.

Das Risiko für abnormale Blutungen steigt, je geringer die Konzentration an Blutplättchen ist

Normalerweise ist eine Thrombozytopenie in der Schwangerschaft nicht gefährlich. Sie wirkt sich nicht auf das Blutbild oder die Versorgung des Babys aus. Es gibt keinerlei körperliche Symptome. Daher ist eine Therapie nicht erforderlich.

Ist die Anzahl der Thrombozyten in der Schwangerschaft sehr gering, besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass es während der Schwangerschaft, nach der Geburt oder bei einem Kaiserschnitt zu Blutungen kommt. Aus diesem Grund nimmt der Facharzt bei der Geburt keine Epidural-Anästhesie (EDA) vor, bei der er das Rückenmark der werdenden Mutter bei der Entbindung betäubt. Eine Thrombozytopenie erhöht das Risiko für eine Blutung.

 

Ab wann ist eine zu niedrige Thrombozyten-Anzahl im Blut bedenklich?

Doktor Kaliner weist darauf hin, dass es schwierig für den Arzt ist, zu entscheiden, wann die Anzahl zu niedrig ist und ab welchem Punkt die Wahrscheinlichkeit für eine Blutung steigt. Der Mediziner beobachtet werdende Mütter mit weniger als 75.000 – 100.000 Thrombozyten pro Mikroliter Blut besonders intensiv, um eine andere Ursache für die Thrombozytopenie auszuschließen.

Ursachen für eine ungewöhnlich niedrige Anzahl von Thrombozyten in der Schwangerschaft

Eine sehr niedrige Konzentration von Blutplättchen ist meist auf eine Vor-Erkrankung zurückzuführen, wie die Schmetterlingsflechte (Lupus erythematodes). Sie entfacht, wenn das Immunsystem gesunde Zellen angreift. Blut verdünnende Medikamente wie Heparin beeinflussen ebenfalls die Menge der Thrombozyten in der Schwangerschaft. Ist der Patient bereits nachweislich davon betroffen, geht der Arzt davon aus, dass die Blutplättchen-Anzahl geringer als bei anderen Schwangeren ist. Er berücksichtigt das bei den Vorsorge-Untersuchungen.

Komplikationen in der Schwangerschaft

Eine niedrige Thrombozyten-Anzahl weist laut Doktor Kaliner ebenfalls auf Probleme in der Schwangerschaft hin. Selten tritt eine Präeklampsie, bekannt als das HELLP-Syndrom auf. Dieses begleiten Symptome wie hoher Blutdruck, Schmerzen rechts unterhalb der Rippen, Proteine im Urin, Übelkeit, Kopfschmerzen sowie Wasser-Einlagerungen in den Extremitäten.

Das HELLP-Syndrom ist ursächlich für den Zerfall der roten Blutkörperchen. Es zeigen sich erhöhte Leberwerte. Die Blutgerinnung lässt nach. Der Patient weist weniger als 100.000 Thrombozyten pro Mikroliter Blut auf. In Extremfällen sogar weit unter 20.000. Tritt die Erkrankung während der Schwangerschaft auf, beenden sie Ärzte fast ausnahmslos durch einen Not-Kaiserschnitt.

Die Wahrscheinlichkeit, an diesem Syndrom zu leiden, ist relativ gering. Sie liegt bei 0,2 bis 0,85 Prozent und gehört zu den seltenen Schwangerschafts-Erkrankungen. Ist die Anzahl der Thrombozyten in der Schwangerschaft niedriger 75.000 bis 100.000 pro Milliliter, leitet der Arzt entsprechende Untersuchungen in die Wege, um etwaige Erkrankungen auszuschließen.

Ursachen für zu viele Blutplättchen in der Schwangerschaft

Im Umkehrschluss ist es möglich, dass Frauen eine zu hohe Anzahl an Thrombozyten in der Schwangerschaft aufweisen. Bei einer sogenannten Thrombozytose übersteigt die Zahl der Blutplättchen die Normwerte nach oben. Auslöser sind körperliche Anstrengungen, Infekte, Stoffwechselstörungen und die Schwangerschaft selbst. Durch eine Thrombozytose erhöht sich die Gefahr von Blutgerinnseln in den Gefäßen.

Das Risiko für eine Thrombose oder einen Schlaganfall steigt. Durch einfache Mittel wirkt die Patientin dieser Gefahr entgegen. Ärzte empfehlen eine Ernährungs-Umstellung, reichliches Trinken und ausreichende Bewegung. Tritt ein Eisenmangel auf, übernimmt zwingend ein Arzt die Medikation. Sie medikamentiert sich nicht selbst. Entspannungsübungen und Akupunktur bilden weitere Maßnahmen, um der schwangerschaftsbedingten Thrombozytose entgegenzuwirken.

Fazit: In seltenen Fällen ist ein schwankender Thrombozyten-Wert gefährlich

Die Anzahl der Thrombozyten in der Schwangerschaft unterliegt Schwankungen. Vor allem im letzten Trimester zeigt sich bei sechs bis acht Prozent der werdenden Mütter ein Rückgang der Blutplättchen. Dieses Phänomen hat seine Ursache in der Veränderung des Blutkreislaufes bei Schwangeren. Es ist weder für die Gebärende noch für das Kind gefährlich.

Ist der Wert sehr niedrig, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Blutungen während der Schwangerschaft, nach der Geburt oder im Verlauf eines Kaiserschnittes. Neben diversen Vor-Erkrankungen oder Medikamenten sind schwere Schwangerschafts-Komplikationen ursächlich für einen starken Thrombozyten-Abfall.

Der Arzt schließt bei der Blutuntersuchung schwere Erkrankungen wie Präeklampsie oder HELLP-Syndrom aus. Durch die körperliche Belastung der werdenden Mutter kommt es häufig zu einem erhöhten Thrombozyten-Wert. Dieser führt zu Thrombose und Schlaganfall. Entspannungs-Übungen schaffen Abhilfe bei Überlastung.

 

weiterführend:

http://www.itp-information.de/itp-und-schwangerschaft.html

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