Thrombozytenmangel

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Welche Veränderungen führen zum Thrombozytenmangel in der Schwangerschaft?

Die Thrombozyten übernehmen innerhalb des Organismus eine wesentliche Aufgabe. Für die Blutgerinnung spielen sie eine bedeutende Rolle. In der Gravidität liegen die Werte der als Blutplättchen bezeichneten Zellen nicht selten außerhalb des Normbereichs. Vorwiegend begleitet ein Thrombozytenmangel die Schwangerschaft. Nur in seltenen Fällen steigt die Anzahl der Thrombozyten. Beide Varianten bergen für die werdende Mutter und ihren ungeborenen Sprössling im Normalfall keine Gefahren.

Schwangere Frau beim Arzt
Untersuchungen während der Schwangerschaft © Halfpoint – Fotolia.com

Eine regelmäßige Blutuntersuchung erhält vor der Geburt einen hohen Stellenwert. Den jeweiligen Thrombozytenwert vermerkt der behandelnde Arzt in dem Mutterpass der schwangeren Patientin. Auf diese Weise erkennt er eine Veränderung der Blutplättchen ohne Schwierigkeiten und geht den Ursachen auf den Grund.

Die Thrombozyten in der Schwangerschaft – das Fazit

In den neun Monaten der Gravidität senkt sich die Konzentration der Thrombozyten bei der Vielzahl der Frauen unterhalb des Normbereichs. Dabei tritt unter Umständen eine Unterversorgung mit den Blutplättchen ein. Begleitet der Thrombozyten-Mangel die Schwangerschaft, brauchen sich die betroffenen Patientinnen nicht zu sorgen. Aufgrund regelmäßiger Vorsorge-Untersuchungen behält der Frauenarzt die Blutwerte der jungen Mütter im Auge.

In der Regel sinkt die Anzahl der Blutplättchen bei Schwangeren

Dabei steht die Zählung der Thrombozyten im Mittelpunkt, wobei ein lichtmikroskopisches Verfahren zum Einsatz kommt. Speziell in den letzten drei Monaten vor der Geburt vermindert sich die Anzahl der Blutplättchen deutlich bis zum Thrombozytenmangel. Hierbei handelt es sich um eine schwangerschaftsassoziierte Thrombozytopenie.

In der Gravidität sinkt die Blutplättchen-Konzentration

Der gravide Zustand der Frau beeinflusst in ihrem Organismus die verminderte Bildung der Thrombozyten. Zu dem Ergebnis kommt die Studie „Pregnancy and laboratory studies: a reference table for clinicians“. Die im Jahr 2009 veröffentlichte Publikation belegt, dass die Schwangerschaft selbst als Auslöser für die niedrige Zahl der Blutplättchen infrage kommt. Äußere Einflüsse spielen in der Regel keine Rolle.

Bei den Thrombozyten handelt es sich um die kleinsten Zellen innerhalb des Blutes. Ihre Werte schwanken im Verlauf der Schwangerschaft. Es geschieht selten, doch es besteht die Möglichkeit, dass der Thrombozytenwert über den normalen Bereich steigt. Weitaus häufiger leiden die werdenden Mütter an einer schwangerschaftsassoziierten Thrombozytopenie. Bei einem Thrombozytenmangel entstehen für Mutter und Fötus selten bis keine Risiken.

 

Warum kommt es zum Thrombozytenmangel bei Schwangeren?

Bei einem gesunden Menschen liegt die Thrombozytenzahl zwischen 250.000 bis 400.000 Blutzellen innerhalb eines Mikroliters Blut. Ihre Aufgabe besteht darin, die Gerinnung der lebenswichtigen Körperflüssigkeit zu regulieren. Auf diese Weise kommt es durch eine Überlagerung der Thrombozyten zu einem Verschluss von offenen Verletzungen. Die Kruste nennt sich in der Umgangssprache Wundschorf.

Für die Bildung der Blutplättchen zeigt sich das Knochenmark verantwortlich. In ihm entstehen laufend neue Thrombozyten, die eine Lebensdauer von acht bis zwölf Tagen aufweisen. Danach gelangen sie in die Milz, wo ihr Abbau erfolgt. Während der Schwangerschaft beschleunigen sich die Bildung und die Vernichtung der Blutplättchen. Schafft der Organismus die rasche Nachproduktion der Thrombozyten bei Schwangeren nicht, leiden sie an einer niedrigen Versorgung der wichtigen Blutzellen.

Um den Wert der Blutplättchen unter Kontrolle zu halten, erfolgt während der Schwangerschaft eine regelmäßige Blutuntersuchung. Speziell den Thrombozyten fällt eine relevante Rolle zu. Der Frauenarzt misst diese in einer Zählkammer, dem Hämazytometer. Hierbei kommt ein Lichtmikroskop zum Einsatz, das die einzelnen Blutzellen im Serum sichtbar macht. Sobald der Mediziner den jeweiligen Wert feststellt, trägt er ihn in den Mutterpass seiner Patientin ein. Dieses Verfahren ermöglicht ihm, Schwankungen bei der Blutplättchenkonzentration ohne Schwierigkeiten festzustellen.

Speziell im letzten Trimester sinkt die Thrombozytenzahl

Die geringe Anzahl der für die Gerinnung verantwortlichen Zellen besteht nicht in allen Fällen von Beginn der Schwangerschaft an. Stattdessen verringert sich die Menge der Blutplättchen vorwiegend in dem letzten Drittel vor der Geburt. Das bedeutet, dass im siebten bis neunten Monat eine niedrige Anzahl an Thrombozyten bei schwangeren Frauen als normal gilt. Als Fachbegriff verwenden die Ärzte die Bezeichnung Gestations-Thrombozytopenie. Sie betrifft in der Regel sechs bis acht Prozent der in Kürze Gebärenden.

Nach der Entbindung erreicht die Anzahl der Blutplättchen ihren Normwert. Einen exakten Grund für die veränderten Konzentrationen während der Schwangerschaft können die Experten nicht nennen. Folgende Faktoren beeinflussen die Menge der Thrombozyten bei Schwangeren:

  • ein schnellerer Verlauf der Bildung der Blutplättchen,
  • die rasche Vernichtung der Thrombozyten
  • und ein ansteigendes Blutvolumen.

Speziell in den drei Monaten vor der Geburt kommt es zu einem zeitnahen Abbau der gealterten Thrombozyten, sodass der Organismus im Eiltempo neue Blutplättchen produziert. Aufgrund dieser Eile präsentieren sich die jungen Blutzellen größer als die regulären Thrombozyten. Daher kommt es vor, dass die Geräte diese Elemente bei einer Messung nicht als Blutplättchen erkennen. In der Folge vermindert sich die Anzahl der Blutplättchen.

Einen weiteren Zusammenhang zwischen dem Thrombozytenmangel und Schwangerschaft bestätigt das erhöhte Blutvolumen der betreffenden Frauen. Ihr Körper produziert verstärkt Blutplasma, sodass sich das Verhältnis der festen und flüssigen Bestandteile des Blutes modifiziert. Misst der behandelnde Mediziner die Zahl der Thrombozyten, ist sie geringer. Dadurch entsteht den Patientinnen kein Schaden. Auf die richtige Versorgung des Ungeborenen nehmen die veränderten Blutwerte keinen Einfluss.

Bei einem stark erniedrigten Wert der Blutplättchen entstehen nach der Geburt unter Umständen heftige Blutungen. Zusätzlich spielt die Menge dieser Blutzellen beispielsweise bei einem Kaiserschnitt eine wesentliche Rolle. Liegt der Wert unter 50.000 Stück in einem Mikroliter Blut, raten die Ärzte von dem Eingriff ab. Allerdings tritt die Komplikation ausschließlich in seltenen Fällen auf.

 

Ein Problem stellen die sinkenden Thrombozytenwerte nur dar, wenn sich gleichzeitig die Anzahl der Erythrozyten verringern. Kommt es zu einem erhöhten Leberwert, liegt der Verdacht einer Schwangerschafts-Komplikation nahe. Diese bezeichnen die Ärzte als das HELLP-Syndrom. Hierbei verspüren die betroffenen Frauen starke Schmerzen in ihrem Oberbauch sowie in den Gliedern. Aufgrund der zusätzlichen Wasser-Einlagerungen folgt in der Regel der Abbruch der Schwangerschaft durch einen Notkaiserschnitt.

 

Kommt eine erhöhte Thrombozytenzahl in der Schwangerschaft vor?

Im Fall einer Stoffwechselstörung oder eines Infekts entsteht während der Gravidität eine Thrombozytose. Dabei übersteigen die Blutplättchen ihren regulären Wert. Jedoch bildet sich die gesundheitliche Komplikation selten. Eine Umstellung der Ernährung, die Einnahme von Eisenpräparaten und Bewegung helfen gegen das Phänomen.

 

Quellen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19935037

weiter: https://www.thrombozyten-info.de/thrombozyten-in-der-schwangerschaft.html